Seniorenangebot Jogging für die kleinen grauen Zellen in Wuppertal-Ronsdorf

Wuppertal · Jeden Montag bietet das Soziale Hilfswerk Ronsdorf ein Gedächtnis- und Gehirntraining für Senioren an.

Mareike Denk (stehend) verteilt die Aufgabenblätter für die geistigen Herausforderungen.

Foto: Hermine Fiedler

„negnutsielsinthcädeG“: Diese auf den ersten Blick sinnfreie Buchstabenfolge stammt nicht etwa aus einer exotischen Sprache, sondern ist der Auftakt, gewissermaßen das Aufwärmen für das Gedächtnis- und Gehirntraining für Seniorinnen und Senioren, zu dem das Soziale Hilfswerk Ronsdorf an jedem Montag von 14 bis 15 Uhr in sein Domizil an der Erbschlöer Straße 4 einlädt.

Mit Blatt und Kugelschreiber ans Werk

Rund 20 Damen und Herren der reiferen Jahrgänge sind an diesem Tag gekommen. „Die meisten sind Stammgäste, und es werden immer mehr“, verrät Mareike Denk, die ehrenamtliche Vertreterin der Leiterin der Begegnungsstätte, Katja Epp, die schmunzelnd die Aufgabenblätter für die jeweiligen geistigen Herausforderungen verteilt. „Die Katja hat heute Geburtstag“, berichtet Mareike Denk, die ihr iPhone zückt und die sangesfreudige Gruppe zu einem fröhlichen Ständchen für das abwesende Geburtstagkind auffordert.

Nachdem man sich ein Käffchen gegönnt hat, geht es mit Blatt und Kugelschreiber ans Werk. Und schnell wird der erstgenannte Begriff in Geheimschrift als „Gedächtnisleistungen“ enttarnt: Man muss ihn nur andersherum lesen. Ebenso funktioniert das mit ganzen Sätzen, in denen sich erbauliche Thesen wie „Tägliches Training bringt Erfolg“, „Seien Sie zufrieden und dankbar“ und die freundliche Aufforderung „Trinken Sie ein Gläschen Wein“ hinter den Wortungetümen verbergen.

„Man muss geistig beweglich bleiben“, begründet Hanne Sokoll ihre Teilnahme am montäglichen geistigen Fitness-Training, das offensichtlich Spaß in froher Runde macht. Wobei übrigens niemand Angst haben muss, wenn er beim beispielsweise noch aus Kindertagen bekannten „Stadt, Land, Fluss“ (im sozialen Zentrum hat man „Stadt, Land, Vollpfosten“ daraus gemacht) auf etliche Lücken blickt, weil ihr oder ihm kein Filmtitel mit „E“ eingefallen ist, oder man bei „F“ nur Frankreich im Gedächtnis hatte. Das bringt natürlich nur fünf Punkte, während die „Fidschi-Inseln“ wohl mit 20 Zählern honoriert worden wären, wobei der eine oder andere Pfiffikus mit einer originell gefüllten Reihe auf dem großen Bogen mehr als 100 Punkte einheimsen kann. Was aber nur dem persönlichen Triumph und eventuell der Bewunderung durch die Tischnachbarn dient, denn schließlich werden die mehr oder weniger vollständig ausgefüllten Blätter nicht eingesammelt oder gar benotet, sondern die „Prüflinge“ können sie, wenn sie das wünschen, als Andenken mit nach Hause nehmen.

Eine zweite Gruppe könnte eingerichtet werden

„Niemand muss Angst haben, bloßgestellt zu werden“, erklärt Mareike Denk, die die fröhliche Runde vorher schon mit recht kniffligen Aufgaben zur visuellen Wahrnehmung von Formenkombinationen ihres Beobachtungsvermögens oder zur Auffrischung der Grundrechenarten und des Kopfrechnens gefordert hatte. „Man wird mit der Zeit geistig immer träger, wenn man nicht etwas dagegen tut“, weiß Dieter Lippelt, der gleichfalls Stammgast beim montäglichen Jogging für die kleinen, grauen Zellen ist. „Es macht aber auch einfach Spaß“, berichtet Monika Sedler, die gern schon vor 14 Uhr in der Begegnungsstätte ankommt, um sich mit den Altersgenossinnen und Altersgenossen (die Herren sind klar in der Unterzahl) auszutauschen.

„Die Idee zu diesen Zusammenkünften ist uralt“, meint Reiner Kuhn, Vorstandsmitglied im von Sabrina Beckmann geleiteten, 1946 gegründeten Sozialen Hilfswerk Wuppertal-Ronsdorf. „Leider sind sie während der Corona-Krise zum Erliegen gekommen. Finden aber jetzt wieder viele Interessenten.“ Immer mehr Menschen im Seniorenalter freuen sich auf diese und andere Treffen in der Begegnungsstätte, in der sich beispielsweise nach dem geistigen Training moderater Seniorensport anschließt.

„Wenn zum Gedächtnistraining mehr als 20 Menschen kommen, dann bleibt für die Einzelnen zu wenig Zeit. Deshalb erwägen wir, eine zweite Gruppe ins Leben zu rufen“, verrät Mareike Denk, und Rainer Kuhn nickt beifällig und freut sich, dass die gemütlichen, aber dennoch anregenden Treffen in der Erbschlöer Straße 4 so begeisterten Anklang finden. Wie auch das gesamte Veranstaltungsprogramm des Vereins ein breites Spektrum unterschiedlicher Formen anbietet.