Zukunftswerkstatt Visionen von einer begrünten Schwebebahn

Wuppertal · Die Zukunftswerkstatt mit vier Klassen aus drei Schulen fand im Foyer des Schauspielhauses statt.

Die Schülerinnen und Schüler stellten ihre Ideen für die Zukunft Wuppertals vor.

Foto: Andreas Fischer

Das seit 2013 von der Stadt Wuppertal stillgelegte Schauspielhaus ist ein Ort, der angesichts der Pläne damit regelrecht nach Zukunft schreit. Und daher war das Foyer des künftigen Pina Bausch Zentrums an der Bundesallee ein sehr gut gewählter Ort für eine Reise der Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs Barmen (11. Klasse), des Städtischen Gymnasiums Sedanstraße (9. und 10. Klasse) sowie des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums (8. Klasse) in das Jahr 2040.

Wie stellen sich die jungen Wuppertaler ihre Stadt in 15 Jahren vor? Die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt, die zum Abschluss in Form eines Future Pitchs mit einem Zeitlimit von fünf Minuten von sechs Gruppen präsentiert wurden, hatten Substanz. Wobei sich bei den Schülern die Sorge wie ein roter Faden durch die Beiträge zog, dass so manche gute Idee aus den Bereichen Mobilität, Energie, Grün in der Stadt, neue Ökologie, neue Ökonomie und Ernährung an möglichen Kosten und dem Widerstand konservativ denkender Wuppertaler scheitern könnte.

Weniger Autoverkehr, mehr Platz und Grün in den Städten – die von den Schülern genannten Visionen sind nicht alle neu, aber bis heute kaum umgesetzt. Die Schüler wünschen sich zudem mehr Pünktlichkeit im ÖPNV und Komfort in Bussen und Bahnen, Fußgängerüberwege und Kreisverkehre wie in Frankreich oder eine begrünte Schwebebahn.

Beim Thema Energie wurden ebenfalls schon bekannte Ziele der Energiewende formuliert. Es gelte, die Angst vor Veränderungen zu überwinden, auch durch selbst produzierte Informationsfilme im Internet. Weniger Fleisch, mehr Gemüse – im Bereich Ernährung ist nach Ansicht der Schüler Überzeugungskraft gefordert. Viel mehr noch bei der Möglichkeit, Insekten umweltfreundlich als Nahrungsquelle zu nutzen. Den städtischen Raum würden die Schüler gerne für urbanen Gartenbau oder Vertical Gardening (gestapelte Pflanz-Boxen) zum Anbau von Lebensmitteln nutzen. Hier werden als Herausforderungen bei der Umsetzung Vandalismus, Bürokratie und die Gewohnheiten der Konsumenten genannt.

Vorschlag: Wupper Taler als neue lokale „Währung“

In die Tiefe gehen Vorschläge im Bereich der neuen Ökonomie. So schlug eine Gruppe in Abwandlung des Bruttoinlandsprodukts die Berechnung eines Brutto-Wuppertal-Produkts (BWP) vor. „Mit einem Score von 1 bis 10 könnte man sehen, wie Wuppertal in einzelnen wirtschaftlichen Bereichen aufgestellt ist“, schlagen Christ Alasber und Fabian Wolanski aus der 10. Klasse des Gymnasiums Sedanstraße vor. Voraussetzung dafür sei die Verfügbarkeit vieler Daten zum Warenfluss, zu Steuern und Einkommen, so Christ Alasber, der sich wie sein Mitschüler schon länger mit dem Thema beschäftigt. Waren in Wuppertal einkaufen, nur kaufen, was man braucht – bedürfnisorientierte Ökonomie lautet eine weitere Forderung. Als zusätzliche Währung schlägt die Gruppe einen „Wupper Taler“ vor.

Mit ihrem Impulsvortrag hatten die Moderatoren Holger Bramsiepe und Klaus Kofler von der Future Design Akademie den Schülern Mut gemacht, Ideen für ihre Heimatstadt zu entwickeln, in der zum Beispiel mit der Schwebebahn oder der Nordbahntrasse schon großartige Pläne umgesetzt worden seien. „Zukunft ist auch das, was die Zukunft mit uns im Inneren macht“, sagte Klaus Kofler.
Für die meisten Schüler baute die „Zukunftsreise“ auf vorangegangenen Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Projekt „Transformation in Wuppertal“ auf.

Bettina Milz hatte als Koordinatorin und Leiterin der Vorlaufphase des Pina Bausch Zentrums die jungen Gäste begrüßt. Da der Ort für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Zeitreise „Neuland“ war, fasste sie die Geschichte des Schauspielhauses zusammen und blickte dann nach vorne: „Das Pina Bausch Zentrum soll ein neuer Kulturort werden, der für alle offen ist. Es ist wichtig, weil uns gerade der Mut zur Zukunft oft fehlt. Wenn aber dieser fehlt, gestaltet man nichts.“