Verkehr 16 Tage Stillstand auf der Schiene

Köln · In der ersten Maihälfte brauchen Bahnpendler im linksrheinischen Köln und in der dazugehörigen Region starke Nerven. Vom 2. bis zum 19. Mai gibt es die umfangreichsten Streckensperrungen aller Zeiten rund um den Kölner Hauptbahnhof.

Beim Regionalverkehr kommt es in Köln ab Anfang Mai zu massiven Einschränkungen.

Foto: step/Eppinger

Dann geht auf der Schiene im Linksrheinischen jenseits des S-Bahn-Verkehrs so gut wie gar nichts mehr. Betroffen sind die unter anderem die Strecken zwischen Koblenz, Horrem, Euskirchen und Pulheim und den Kölner Bahnhöfen. Neben den Regional- ist auch der Fernverkehr involviert.

Grund hierfür sind die Vorbereitungen für die Inbetriebnahme des neuen Elektronischen Stellwerks (ESTW) „Linker Rhein“. Bislang wurden für das Großprojekt in den vergangenen Jahren 400 Kilometer Kabel verlegt und 200 neue Signale installiert. Im Sperrzeitraum wird nun das gesamte neue System umfangreich geprüft und ans Laufen gebracht. Dazu werden mehr als 100 alte Signale sowie weitere nicht mehr benötigte Anlagen wie drei Stellwerke oder Signalbrücken abgebaut bzw. außer Betrieb genommen. Gleichzeitig werden die restlichen 15 neuen Signale noch installiert. Außerdem muss das neue ESTW an insgesamt neun sogenannte Randstellwerke angeschlossen werden, was den räumlichen Umfang des gesperrten Streckenbereichs erklärt.

Neue Technik soll mehr Zuverlässigkeit bringen

Das neue zentrale Stellwerk liegt unweit des Kölner Hauptbahnhofs und wird ab dem 19. Mai die Züge in Köln und der linksrheinischen Region steuern. Von der neuen Technik erhofft sich die Bahn künftig einen robusteren, pünktlicheren und zuverlässigeren Zugverkehr. Außerdem will man so die notwendige Basis für die komplette Digitalisierung des Bahnknotenpunkts schaffen. Aktuell werden die Zugverkehrssteuerer, die früheren Fahrdienstleiter, für das neue System an Simulationsanlagen geschult. So will man einen möglichst reibungslosen Start des neuen ESTW „Linker Rhein“ sicherstellen. Insgesamt werden 360 Millionen Euro in das Großprojekt investiert.

„Mit der Inbetriebnahme des neuen elektronischen Stellwerks „Linker Rhein“ und der zweiten Baustufe des ESTW Köln Hbf Ende dieses Jahres erreichen wir einen weiteren wichtigen Meilenstein für den Bahnverkehr in Köln. Auch für die kommenden Jahre haben wir in und um Köln wieder einiges geplant. Uns ist bewusst, dass wir unseren Fahrgästen mit den Bauarbeiten einiges zumuten. Klar ist aber auch, die Modernisierung der Infrastruktur ist zwingend notwendig. Denn nur mit robusten und zuverlässigen Anlagen werden wir es schaffen, noch mehr Menschen vom Verkehrsmittel Bahn zu überzeugen und so gemeinsam die Verkehrswende zu schaffen,” erklärt Jens Schäfer, Leiter Ausbau Knoten Köln bei der DB InfraGO.

Die Auswirkungen auf den Zugverkehr im Zeitraum zwischen 2. Mai, 21 Uhr, und 19. Mai, 5 Uhr, sind massiv: Im Fernverkehr in und aus Richtung Aachen, Brüssel und Paris entfällt der Halt in Köln, hier werden die Züge über Krefeld umgeleitet. Züge aus oder nach Amsterdam halten nur in Köln Messe/Deutz. Die Sprinter-Züge Bonn-Köln-Berlin entfallen. Die Züge aus Richtung Mainz bzw. Koblenz werden rechtsrheinisch umgeleitet und verkehren über Köln Messe/Deutz. Auch bei Zügen aus Berlin, Hamburg oder Frankfurt ist es möglich, dass diese statt am Hauptbahnhof ebenfalls in Köln Messe/Deutz halten. Nähere Informationen zu einzelnen Verbindungen finden sich demnächst online in den Informationssystemen der Bahn.

Im Regionalverkehr sind die linksrheinischen Strecken der Linien RE 1, RE 5, RE 8, RE 9, RE 12, RE 22, RB 24, RB 26, RB 27, RB 30, RB 38, RB 48, S 12, S 19 und S23 von den Einschränkungen und Sperrungen betroffen. So entfallen unter anderem zum Beispiel Verbindungen zwischen Koblenz/Bonn und Köln (linksrheinisch), zwischen Horrem und Köln, zwischen Pulheim und Köln sowie zwischen Euskirchen und Köln.

Auf den betroffenen Strecken wird ein Schienenersatzverkehr mir mehr als 100 Gelenkbussen eingerichtet. An den Bahnhöfen wie in Köln, Horrem, Bonn und Euskirchen werden zudem zusätzliche Servicekräfte eingesetzt. Die Sperrungen finden sich ab etwa Mitte April auch in den Online-Auskunftssystemen.

Um zum Jahresende auch das ESTW „Köln Hbf“ in Betrieb nehmen zu können, wird es zwischen dem 14. und dem 24. November eine weitere umfangreiche Sperrung rund um den Kölner Hauptbahnhof geben, wo dann nur die beiden S-Bahngleise zur Verfügung stehen werden.

Beim Ausbau der S13 zwischen Troisdorf und Bonn beginnt ab Juni zudem die letzte große Bauphase vor der Generalsanierung der rechten Rheinstrecke zwischen Troisdorf und Koblenz. Auch hier wird es Voll- oder Teilsperrungen geben. Erneuert wird vom 8. bis zum 29. August außerdem das Brückenbauwerk der Bahn an der Inneren Kanalstraße, das wegen der zahlreichen Lkw-Unfälle auch als „Idiotenbrücke“ bekannt ist. Hier wird auch die Durchfahrtshöhe angepasst. Wegen der Arbeiten wird die S-Bahnstrecke zwischen Hansaring und Nippes gesperrt.

Gebaut wird nicht nur im laufenden, sondern auch im kommenden Jahr. Das gilt im ersten Halbjahr für die 65 Kilometer lange Strecke zwischen Hagen, Wuppertal, Solingen, Opladen und Köln, die für fünf Monate komplett gesperrt wird. Im zweiten Halbjahr folgt die Generalsanierung der rechtsrheinischen Strecke zwischen Troisdorf über Koblenz bis nach Wiesbaden. Auch hier wird es umfangreiche Sperrungen geben. Weitere Infos finden sich unter: