Von Mobbing bis Übergewicht So gesund fühlen sich Jugendliche in Düsseldorf

Düsseldorf · Mehr als 1100 Schüler haben sich an einer Studie beteiligt. Nur 16 Prozent fordern ihren Körper am Tag mindestens eine Stunde durch Sport oder andere Aktivitäten. Schönheitsideale beeinflussen zudem die Denkweise der Kinder.

Nur 16 Prozent der befragten Düsseldorfer Jugendlichen bewegen sich eine Stunde oder mehr am Tag.

Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Leistungsdruck, Mobbing, Klima, Krieg und manchmal auch Einsamkeit: Junge Menschen stehen an der Schwelle zum Erwachsensein vor großen Herausforderungen. Doch wie schätzen Pubertierende ihre Gesundheit selbst ein, wie stark empfinden sie Stress, wie oft sind sie glücklich? Und wie oft bewegen sie sich? Auf diese und viele andere Fragen gibt das Jugendgesundheitsmonitoring Antworten. Mehr als 1100 Acht- und Zehntklässler aller Schulformen hatten sich in Düsseldorf an dem regionalen EU-Projekt im Herbst 2023 beteiligt. In dieser Woche wurden die Ergebnisse präsentiert.

Sport und Bewegung

Beide Bereiche spielen im Leben der Heranwachsenden eine große Rolle. Allerdings geben nur 16 Prozent der befragten Düsseldorfer an, sich eine Stunde (oder mehr) am Tag zu bewegen. Damit bleiben mehr als 80 Prozent unter der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO. Immerhin 37 Prozent sagen, dass sie mindestens eine Stunde innerhalb von fünf Tagen ihren Körper besonders fordern. Zu den einschlägigen Aktivitäten zählen die Experten neben Sport und Krafttraining auch Skaten oder Fahrradfahren. Immerhin 42 Prozent geben an, täglich zu Fuß oder mit dem Rad zu ihrer Schule zu kommen. Blickt man auf Bewegung im Sportverein oder dem Fitnessstudio, sind Jungen (87 Prozent) hier aktiver als Mädchen (72 Prozent). In beiden Geschlechtern nimmt die Bereitschaft allerdings mit steigendem Alter ab. Unter dem Strich dominieren trotz allem sportliche Aktivitäten die Freizeitgestaltung. 58 Prozent geben an, sich an zwei bis sechs Tagen pro Woche in einem Verein oder einem Studio zu bewegen. Zum Vergleich: Knapp die Hälfte der Befragten nimmt „nie“ oder „fast nie“ an kulturellen Aktivitäten teil. Die gute Nachricht: Die meisten 13- bis 17-Jährigen halten ihre Gesundheit für „gut“. 87 Prozent der Jungen und 75 Prozent der Mädchen denken, dass sie „fit“ sind. Mit 80 Prozent (im Schnitt) liegt dieser Wert über dem Durchschnitt der Regionen (76 Prozent), die im Rhein-Maas-Raum an der Studie teilgenommen haben.

Gewicht

Beim Thema Kilos wurden die Eigen-Angaben der Teilnehmer zugrunde gelegt. Gemessen am Body-Mass-Index wären demnach zwölf Prozent der Teilnehmer übergewichtig, 78 Prozent verfügen über ein Normalgewicht, zehn Prozent sind untergewichtig. Diese Ergebnisse decken sich mit dem flächendeckenden Check fast aller Düsseldorfer Zweitklässler. Demnach waren 2023 nur noch 11,7 Prozent der getesteten Zweitklässler übergewichtig oder adipös. Dieser Wert stellt ein Alljahrestief dar. In früheren Jahren lag der Wert auch schon mal bei 18 Prozent. Dennoch glauben 31 Prozent der normal-gewichtigen Jugendlichen aus dem Monitoring, dass sie zu dick seien. Fast genauso viele grübeln „öfters in der Woche“ darüber nach, wie sie Gewicht reduzieren könnten. Mädchen (35 Prozent) sind hier mehr verunsichert als Jungen (25 Prozent). „Die häufig unrealistischen Schönheitsideale scheinen sich auszuwirken“, schreiben die Autoren der Studie in ihrer Analyse.

Schule, Stress und Mobbing

Einen großen Teil ihrer Zeit verbringen Heranwachsende in der Schule beziehungsweise mit Hausaufgaben. Fast die Hälfte der Befragten gibt an, „gerne in die Schule zu gehen“. Nur elf Prozent sehen diese Institution als „sinnlos“ an. Zu berücksichtigen ist bei diesen Angaben, dass der Rücklauf aus den Gymnasien mit 893 (von 1106) Teilnehmern bei diesem Monitoring überdurchschnittlich hoch war. Auffällig sind die Fehlzeiten – vor allem bei den Zehntklässlern. Hier gaben 20 Prozent der Jungen und 15 Prozent der Mädchen an, in den letzten vier Wochen vor der Befragung drei Tage oder mehr krankheitsbedingt gefehlt zu haben. Und 21 Prozent der Zehntklässler räumten ein, schon mal die Schule geschwänzt zu haben.

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Heranwachsende fühlen sich einerseits „überwiegend glücklich“ (71 Prozent), stehen andererseits aber oft unter Druck. 63 Prozent der jungen Düsseldorfer gaben an, ihre Lebenswelt als „stressig“ zu erleben. Der am häufigsten genannte Grund dafür sind laut Studie „Schule und Hausaufgaben.“ 35 Prozent gaben an, unter psychischen Belastungen zu leiden. Hier ist der Anteil der Mädchen (49 Prozent) deutlich höher als der bei den Jungen (20 Prozent). Fast 24 Prozent der Heranwachsenden geben an, Erfahrungen mit Mobbing zu haben. Hierbei reicht der Bogen von Tritten über Beleidigungen bis zu Gerüchten und systematischer Ausgrenzung. Mehr als drei Viertel der 1100 Schüler sagt dagegen, „noch nie“ Mobbing erlebt zu haben. Aufhorchen lässt die Angabe zu Selbsttötungsabsichten. Sieben Prozent der Jugendlichen sagen, in den letzten zwölf Monaten „ernsthaft über einen Suizid nachgedacht zu haben“.

Suchtmittel

Fast die Hälfte der Zehntklässler gibt an, bereits Alkohol getrunken zu haben. 22 Prozent sagt, „meistens“ oder „fast immer“ im Freundeskreis zu trinken. Dafür mag auch die hohe Akzeptanz in den Elternhäusern mitverantwortlich sein. Nur 20 Prozent der Eltern raten ab, dagegen akzeptieren 48 Prozent den gelegentlichen Konsum ausdrücklich. An Bedeutung gewinnen die Risiken beim Medienkonsum. So neigten 22 Prozent der Befragten zu übermäßigem Social Media Konsum und fünf Prozent sehen für sich selbst eine Gefahr durch überbordendes Gaming beziehungsweise Zocken.

(jj ctri)