Wer gehofft hatte, die Kempener Stadtplanung würde zur jüngsten Sitzung des zuständigen Planungsausschusses des Stadtrates die überarbeiteten Pläne für den ersten Bauabschnitt im künftigen Baugebiet im Kempener Westen präsentieren, wurde jetzt enttäuscht. Der Technische Beigeordnete der Stadt Kempen, Torsten Schröder, gab im Ausschuss lediglich einen Sachstandsbericht mit wenig erhellenden Inhalten.
Das Planungsamt hat laut Schröder den städtebaulichen Entwurf für den ersten Bauabschnitt überarbeitet. Das war der Wunsch einer politischen Mehrheit aus CDU, FDP, Freien Wählern und ÖDP. Diese Fraktionen forderten im Herbst vergangenen Jahres eine Überarbeitung des bereits von der Stadtplanung fertig gestellten und mit der Politik abgestimmten Entwurfs. Das Plangebiet besteht aus zwei Teilbereichen im Kempener Westen. Der südliche Bauabschnitt umfasst im Wesentlichen den Bereich zwischen Schmeddersweg und Ziegelheider Straße, der nördliche Bauabschnitt den Bereich südlich des Hausheckweges und westlich der Straelener Straße.
Entgegen des bereits von der Politik im Jahre 2023 beschlossenen Entwurfsplanung forderten die vier Fraktionen zuletzt, bei der künftigen Ausgestaltung des Bebauungsplans mehr freistehende Einfamilienhäuser und Reihenhäuser zu berücksichtigen, anstatt die ursprünglich vorgesehene Verdichtung mit Mehrfamilienhäusern für Mietwohnungen planerisch umzusetzen. Auch die Aufstellung von Tiny Houses sollte möglich gemacht werden. Die politische Vierer-Allianz wollte zudem, dass – entgegen der ursprünglichen Planung – Autos der Bewohner auch an den Grundstücken abgestellt werden können. Vorher war eine weitgehend autofreie Siedlung geplant mit einer zentralen Quartiersgarage. Die Zahl der Wohneinheiten würde sich nach Berechnung der Fraktionen von insgesamt 337 auf etwa 295 reduzieren.
Wie der Technische Beigeordnete Schröder jetzt im Planungsausschuss mitteilte, habe sich die Stadtplanung bei ihrer Überarbeitung nicht vollständig an die Wünsche der Vierer-Allianz gehalten. Sie habe deren Vorgaben zwar größtenteils übernommen, aber auch eigene neue Ideen in den Entwurf eingearbeitet. Das Ergebnis soll zunächst dem Lenkungskreis für die Planungen im Kempener Westen vorgestellt werden. Das Gremium, dem Vertreter der politischen Parteien und der Stadtverwaltung angehören, tagt am 6. Mai nicht-öffentlich. Hinter verschlossenen Türen sollen die Pläne erläutert, diskutiert und vorberaten werden, bevor sie dann voraussichtlich am 23. Juni in der nächsten Sitzung des Planungsausschusses öffentlich vorgestellt und beschlossen werden. Der Stadtrat könnte nach diesem Zeitplan die Offenlage des modifizierten Bebauungsplans mit der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause am 8. Juli beschließen.
Diese Sitzung ist dann voraussichtlich auch die letzte in der laufenden Ratsperiode. Das bedeutet: Eine Entscheidung über den Baustart im Kempener Westen trifft erst der neu gewählte Stadtrat nach der Kommunalwahl am 14. September. Damit geht wieder eine Wahlperiode des Kempener Stadtrates ins Land, ohne dass es bei dem Großvorhaben einen Baubeginn gegeben hat. Seit fast 20 Jahren wird über ein neues Stadtquartier im Kempener Westen mit Wohnraum für bis zu 2000 Menschen diskutiert. Es gab bereits mehrere erfolglose Anläufe für das Projekt.