Naturschutz in Willich Den „Kiebitz-Kindergarten“ stehen lassen

Neersen · Welche Erfolge der Nabu Willich mit den Landwirten erzielen kann, verdeutlichen Gaby und Jorgen Pedersen.

Jorgen und Gaby Pedersen (l.) und Jack Sandrock (r.) vom Nabu freuen sich mit Udo Hormes von der Stadt Willich (4. v. r.) über die gute Zusammenarbeit mit den Willicher Landwirten, zu denen unter anderem Thomas Heyes (3. v. l.), Michael Schmitz (4. v. l.), Arnold Peiffer (3. v. r.) und Christian Heintges (2. v. r.) gehören.

Foto: Bianca Treffer

(tre) „2024 war ein phänomenales Jahr für die Kiebitze, und das liegt daran, dass wir so gut zusammengearbeitet haben“, sagt Gaby Pedersen. Das „Wir“ bezieht sich dabei auf sie, ihren Mann Jorgen und neun Willicher Landwirte. Gemeinsam sind sie im vergangenen Jahr erneut für den Kiebitz-Schutz an den Start gegangen.

Gaby und Jorgen Pedersen vom Naturschutzbund (Nabu) Willich haben sich den Kiebitzen verschrieben. Doch das allein würde nicht reichen, wenn die Landwirte nicht mitmachen würden. Waren es am Anfang drei Landwirte, die sich engagierten, so ist die Zahl mittlerweile auf neun gestiegen – und das macht sich bemerkbar.

2023 gab es in Willich nur noch ein Brutgebiet mit zehn Nestern. Vier flügge Jungvögel waren das Ergebnis. Im vergangenen Jahr waren es indes vier Brutgebiete mit 26 Nestern und 31 flüggen Jungvögeln. „Das ist ein bestandserhaltender Bruterfolg“, freut sich Jorgen Pedersen sichtlich.

Das Ehepaar ist ab März mit dem Spektiv unterwegs. Dort, wo vorab Kiebitz-Sichtungen gemacht wurden, werden die Felder mittels Spektiv abgesucht. Es erfolgt eine Markierung der Neststelle mit zwei Stäben. Die GPS-Koordinaten werden per Handy aufgenommen und an die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Viersen übermittelt, die sie wiederum an die Landwirtschaftskammer weitergibt. Dank der Markierungen wissen die beteiligten Landwirte, wo sich die Nester befinden.

Die Landwirte helfen nicht nur, indem sie die markieren Gelege bei der Feldarbeit ellipsenförmig umfahren. Sie lassen des Weiteren Grünflächen stehen. Die Petersens sprechen in diesem Zusammenhang gerne von den „Kindergärten der Kiebitze“. Die Vögel sind Nestflüchter und müssen sich vom ersten Moment an selbst mit Futter versorgen. Sie werden nicht von den Altvögeln gefüttert. In diesen „Kindergärten“ in Form von schmalen Grünstreifen finden sie Nahrung und Schutz. Gerade die kleinen Vögel, gerade einmal fünf Gramm wiegend, sind eine beliebte Beute für Prädatoren. Für Kiebitze sind daher auch größere Kolonien wichtig. Gemeinsam können sie sich gegen Fressfeinde einfach besser verteidigen. „Dazu lassen wir Feuchtflächen stehen und bearbeiten diese nicht“, erklärt Christian Heintges eine weitere Maßnahme der Landwirte in Sachen Kiebitz-Schutz.

Die Feuchtflächen bieten den Vögeln ebenfalls Nahrung. „Mit gutem Willen ist vieles möglich. Wir machen gerne beim Kiebitz-Schutz mit, denn auch uns freut es, wenn wir etwas für die Natur tun können“, betont Arnold Peiffer. Ohne Gaby und Jorgen Petersen hätten die Kiebitze aber keine Chance, fügt der Landwirt an. Ihrem unermüdlichen Einsatz sei es zu verdanken, dass diese Schutzmaßnahmen der Landwirte erst möglich seien. Ohne die Kennzeichnung der Nester und der engen Kommunikation mit den Landwirten liefe nichts. „Die Nester sind schwer zu sehen. Die Markierung ist unerlässlich für uns“, schließt sich Michael Schmitz an.

Was die Kiebitze betrifft, kann indes jeder Bürger helfen. Wer den auffälligen Vogel, der derzeit schon aus Südeuropa zurückgekehrt ist, in Willich sichtet, kann dies über den Fachbereich Umwelt und nachhaltige Stadtentwicklung der Stadt Willich, Udo Hormes, Telefon 02154 949262, sowie beim Nabu Willich, Telefon 01729091818 melden.