Neue E-Rikscha in Neersen Mit dem Niersflitzer durch die Region

Neersen · Wer selbst aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr mit dem Rad die Umgebung erkunden kann, lässt sich einfach chauffieren: In Neersen können Interessierte bald E-Rikscha-Fahrten buchen, die auch über die Ortsgrenzen hinaus führen. Damit das Projekt starten kann, fehlt aber noch etwas Entscheidendes.

Dorothea von den Driesch, Brigitte Neugebauer, Marlene Schaath, Joachim Schmidt-Hasenmann, Angelika Uth-Flatow (Freiwilligen-Zentrum), Anne Fiedler und Melanie Friedrich (v. l.) präsentieren die neue E-Rikscha.

Foto: Norbert Prümen

Wohin sich Marlene Schaath gerne mal in der neuen Elektro-Rikscha vom Neersener Seniorenzentrum Lindenhof aus hinradeln lassen würde, weiß sie schon: „So eine kleine Reise durch den Schlosspark wäre doch schön“, sagt die 86-Jährige. Auch Brigitte Neugebauer hat sich vorgenommen, darin eine Tour zu unternehmen: „Ich probiere das auf jeden Fall mal aus“, sagt die 87-Jährige. Erst mal dürfen die beiden Bewohnerinnen der Einrichtung aber nur als Models fürs Pressefoto in der Zweisitzer-Fahrgastzelle Platz nehmen. Das Seniorenzentrum unter Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), das Freiwilligen-Zentrum Willich des Caritasverbands für die Region Kempen-Viersen und das Netzwerk Neersen haben eingeladen, um ihr gemeinsames Rikscha-Projekt „Niersflitzer“ vorzustellen.

Eine Mobilitätsunterstützung
für Senioren

Ab Mai soll der Elektro-Niersflitzer für Ausflugsfahrten durch Neersen und über die Ortsgrenzen hinaus zur Verfügung stehen. Die Akku-Leistung reicht für rund 40 Kilometer. Das Angebot richtet sich an mobilitätseingeschränkte Menschen, also zum Beispiel an Senioren, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr selbst in die Pedale treten können oder es sich vielleicht einfach nicht mehr zutrauen. Eigentümer der Rikscha ist der Caritasverband, der sie dem Seniorenzentrum Lindenhof und dem Netzwerk Neersen zur Nutzung zur Verfügung stellt.

Für ein Sommerfest im vergangenen Jahr hatte das Seniorenzentrum von einem anderen Seniorenzentrum in Duisburg eine Rikscha ausgeliehen. „Das hat so viel Spaß gemacht, dass wir dachten: So etwas müssen wir auch haben“, erzählt Dorothea von den Driesch vom Sozialen Dienst. Was fehlte, waren Sponsoren und Partner, die sich dann mit Caritas, Freiwilligen-Zentrum Willich und Netzwerk Neersen fanden.

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Seniorenzentrums können montags, dienstags und freitags mit geschulten Mitarbeitern des Sozialen Dienstes auf Tour gehen. An den übrigen Wochentagen können Interessierte, auch aus anderen Stadtteilen, über das Netzwerk Neersen Fahrten buchen. „Arzt- oder Einkaufsfahrten werden nicht übernommen“, betont Anne Fiedler vom Netzwerk Neersen – die Rikscha sei für Ausflüge gedacht.

„Der Fokus liegt auf der Begegnung miteinander“, sagt Melinda Friedrich vom Freiwilligen-Zentrum. Ehepartner etwa, die früher viele gemeinsame Radtouren unternommen haben, können auf Rikscha-Fahrt wieder Ähnliches zusammen erleben, altbekannte Orte ansteuern. „Man erschließt sich einen ganz anderen Radius“, sagt Friedrich. Die Tour biete die Möglichkeit, Natur zu erleben, den Fahrtwind im Gesicht zu spüren, unterwegs andere Menschen zu sehen und zu spüren: „Ich bin Teil des Quartiers.“ Die Fahrten sind für die Passagiere kostenlos. Eine Helmpflicht besteht nicht.

Es geht bei dem Projekt aber nicht nur darum, dass die Fahrgäste miteinander ins Gespräch kommen – zumal es ja auch sein kann, dass nur ein Fahrgast auf der überdachten Bank der Rikscha Platz nimmt. Der Austausch mit den ehrenamtlichen Rikscha-Piloten ist ebenfalls Teil der Begegnung. Damit das Projekt auch wirklich umgesetzt werden kann, müssen nun noch genau solche Piloten gefunden und ausgebildet werden. Interessierte können sich beim Freiwilligen-Zentrum Willich melden.

„Rikscha zu fahren, das ist erst mal ungewohnt, das ist anders als Fahrradfahren“, sagt Dorothea von den Driesch. Deshalb bieten die Projektpartner in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsdienst der Kreispolizei rund dreistündige Schulungen mit Praxiseinheiten auf dem Parkplatz des Seniorenzentrums, in dem die Rikscha dauerhaft untergebracht ist, an. Die erste Schulung ist für den 29. April vorgesehen.

Joachim Schmidt-Hasemann hat die Schulung bereits absolviert und schon bei einem Rikscha-Projekt in Viersen Erfahrungen gesammelt. Geplant ist, dass die ehrenamtlichen Piloten eine Gruppe im Netzwerk Neersen bilden, die Schmidt-Hasemann leitet. Darüber hinaus wird er die Rikscha-Buchungsanfragen koordinieren, längerfristig möchten die Projektpartner aber auch ein Online-Buchungssystem einführen. Wer sich als Rikscha-Pilot eignet? „Jeder, der sich zutraut, E-Bike zu fahren und für ein bis zwei Stunden die Verantwortung für zwei Personen zu übernehmen“, sagt Schmidt-Hasemann. Und trotz Elektro-Unterstützung: „Man sollte schon fit sein“, ergänzt er. Mit einer Geschwindigkeit von 10 bis 15 Kilometer pro Stunde sei die Rikscha unterwegs. Sie nehme die gesamte Fahrbahn ein, Pilot oder Pilotin sollten sich also auch nicht von drängelnden Autofahrern aus der Ruhe bringen lassen.

Wer mehr über das Projekt erfahren oder sich die Rikscha genauer anschauen möchte, hat dazu am 4. Mai Gelegenheit: Beim Neersener Nachbarschaftsfest ist sie zu sehen – auch Probefahrten werden angeboten.