Fragen und Antworten Hier stellen sich die Bundestagskandidaten aus dem Wahlkreis Neuss I vor
<irglyphscale style="font-stretch 9775%;">Neuss</irglyphscale> · Sechs Direktkandidaten treten für Neuss, Dormagen, Grevenbroich und Rommerskirchen zur Bundestagswahl an. Wir haben ihnen Fragen vorgelegt: Was haben Sie sich vorgenommen? Wie sind Sie so als Mensch? Das sind ihre Antworten.
Von Wahlplakaten kennt man sie alle, oder zumindest die meisten von ihnen: Sechs Kandidaten werben bei der Bundestagswahl um die Erststimmen im Wahlkreis Neuss I (Neuss, Grevenbroich, Dormagen, Rommerskirchen). Um mehr über sie zu erfahren, haben wir allen einen Fragebogen vorgelegt – zu Werdegang, politischen Zielen und ihren persönlichen Wesenszügen. Das sind ihre Antworten.
Daniel Rinkert (SPD)
Alter und Beruf 37 Jahre, Jurist und Bundestagsabgeordneter
Politischer Werdegang Ich bin ein Kind der Region und engagiere mich seit 2003 in der SPD. Zunächst war ich Jugendbürgermeister meiner Heimatstadt. Als leidenschaftlicher Kommunalpolitiker darf ich mich seit über 15 Jahren für die Menschen im Rat der Stadt Grevenbroich einsetzen. 2015 wurde ich zum Vorsitzenden der SPD im Rhein-Kreis Neuss gewählt. Daher habe ich auch einen guten Überblick über die Themen der Bürger:innen in allen Kommunen des Kreises. Unsere Region darf ich seit 2022 im Bundestag vertreten.
Welches politische Thema für Ihren Wahlkreis wollen Sie besonders in den Blick nehmen? Ich setze mich ein für bezahlbaren Wohnraum im Rhein-Kreis Neuss, den Erhalt der Region als Wirtschaftsstandort durch schnellere Genehmigungen, Investitionen in Infrastruktur wie Bahn, Brücken und Stromnetze, garantierte niedrige Strompreise für Industrie und Mittelstand sowie Bürokratieabbau, etwa durch Abschaffung des Lieferkettengesetzes.
Was macht Sie als Mensch aus? Ich bin in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Mein Vater war Postbote und meine Mutter ist Hausfrau. Dass ich heute Jurist bin, habe ich nicht geschenkt bekommen. Dafür musste ich hart arbeiten. Das prägt mich bis heute. Bodenständig sein, allen Menschen mit Respekt und mit einem Lächeln auf Augenhöhe begegnen. Als Optimist freue mich auf jeden neuen Tag im Leben.
Carl-Philipp Sassenrath (CDU)
Alter und Beruf 34 Jahre, Volljurist und Ministerialbeamter
Politischer Werdegang 2008 Eintritt in die CDU. 2009 bis 2011 Mitglied im Parteivorstand der CDU Neuss. 2015 bis 2018 stellvertretender Vorsitzender der Jungen DGAP in der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. 2019 bis 2021 Chefredakteur des christdemokratischen Debattenmagazins „CIVIS mit Sonde“. Berufliche Stationen unter anderem im Bundeskanzleramt und im Bundeswirtschaftsministerium. Seit 2022 Fraktionsberater der CDU/CSU im Bundestag, zuständig für Wirtschaft, Klima und Energie, Mittelstand und Tourismus sowie Chinapolitik.
Welches politische Thema für Ihren Wahlkreis wollen Sie besonders in den Blick nehmen? Ich möchte Probleme lösen – kleine und große. Ein direkt gewählter Abgeordneter ist erster Ansprechpartner für alle bundespolitischen Anliegen der Menschen im Wahlkreis. In den nächsten vier Jahren müssen wir unseren Wohlstand sichern und Arbeitsplätze erhalten, unsere Wettbewerbsfähigkeit steigern und den Strukturwandel meistern. Deswegen möchte ich mich vor allem für eine neue Energiepolitik und ein radikales Vorgehen gegen Bürokratie einsetzen.
Was macht Sie als Mensch aus? Ich gebe alles und bin ein Mannschaftsspieler. Ich streite konsequent für die Sache und verbindlich im Ton. Ich weiß nicht alles besser, ich möchte immer dazulernen. Häufig bringt mich die richtige Frage weiter als eine voreilige Antwort. Zu meinen Ansichten stehe ich – und zu meinen Fehlern auch. Ich treffe pragmatische Entscheidungen. Neue Energie schöpfe ich im Kreise von Freunden und Familie, beim Sport, Wandern oder bei einem Konzertbesuch. Mein Motto lautet: heiter weiter.
Katharina Janetta (Grüne)
Alter und Beruf 52 Jahre, Diplom-Biologin
Politischer Werdegang Seit 2020 Mitglied bei B’90/Die Grünen. Im Jahr 2020 bin ich in den Rat der Gemeinde Rommerskirchen gewählt worden und konnte in dieser Wahlperiode als Vorsitzende im Ausschuss für Umwelt-, Tier- und Klimaschutz einen Beitrag zu den wichtigen Fragen zu Umwelt- und Klimaschutz leisten. Einer meiner Schwerpunkte war der Einsatz zur Rettung des Gillbachs. Darüber hinaus bin ich auf Kreisebene als sachkundige Bürgerin tätig. Aktiv in Planungs-, Klimaschutz- und Umweltausschuss sowie im Partnerschaftskomitee.
Welches politische Thema für Ihren Wahlkreis wollen Sie besonders in den Blick nehmen? Eine Stimme für mich ist eine Stimme für den Umweltschutz, eine nachhaltige Wasser- und Landwirtschaft und einen gerechten Strukturwandel im Rheinischen Revier. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Biomasse von Insekten dramatisch zurückgegangen, ebenso der Bestand von Vogelarten in der Agrarlandschaft. Wir müssen diesen Trend umkehren, um den drohenden Zusammenbruch der Ökosysteme abzuwenden. Wir brauchen effektive Maßnahmen für den Umweltschutz und ökonomisch tragfähige Lösungen für die landwirtschaftlichen Betriebe.
Was macht Sie als Mensch aus?
Was mich auszeichnet, ist die Zielstrebigkeit und unermüdlicher Einsatz für vorgenommene Ziele. Zudem ist mir ein korrekter zwischenmenschlicher Umgang auf Augenhöhe sehr wichtig. Besonders freue mich über das Gefühl, „etwas bewegt zu haben“. Ich denke, dass man mich auch als authentisch bezeichnen kann.
Bijan Djir-Sarai (FDP)
Alter und Beruf 48 Jahre, Bundestagsabgeordneter
Politischer Werdegang: Im Jahr 1995 begann mein Engagement bei den Jungen Liberalen, ein Jahr später wurde ich Mitglied der FDP. 2009 wurde ich erstmals in den Deutschen Bundestag gewählt, dem ich seit 2017 erneut angehöre. Dort bin ich Vorsitzender der Landesgruppe NRW der FDP-Bundestagsfraktion und Mitglied des Auswärtigen Ausschusses. Von 2017 bis 2021 war ich außenpolitischer Sprecher meiner Fraktion. Von 2021 bis 2024 war ich Generalsekretär der FDP. Seit 2014 bin ich Vorsitzender des FDP-Bezirksverbands Düsseldorf sowie seit 2005 Kreisvorsitzender der FDP im Rhein-Kreis Neuss.
Welches politische Thema für Ihren Wahlkreis wollen Sie besonders in den Blick nehmen? Ich möchte die Wirtschaft, auch im Rhein-Kreis Neuss, stärken und von Überregulierung sowie lähmender Bürokratie befreien. Die Region und das ganze Land brauchen eine Wirtschaftswende, damit wir als Bürgerinnen und Bürger auch zukünftig in Wohlstand leben können. Die Menschen verdienen spürbare Entlastungen, damit ihnen am Ende des Monats mehr Netto zur Verfügung steht und es dabei bleibt, dass Leistung sich lohnt. Deutschland muss international wieder wettbewerbsfähig sein: „Made in Germany“ muss wieder ein Garant für weltweit geschätzte Qualität werden.
Was macht Sie als Mensch aus? Meine Kindheit im Iran hat mich geprägt. Ich habe mit angesehen, was es bedeutet, in einer Diktatur zu leben. Deshalb bin ich Verfechter der Freiheit. Sie treibt mich politisch und auch privat voran. In meiner knappen Freizeit spiele ich gelegentlich gerne Fußball. Dabei bekomme ich den Kopf frei und kann meine Gedanken sortieren.
Roland Sperling (Die Linke)
Alter und Beruf 63 Jahre, Rechtsanwalt
Politischer Werdegang Mit 13 erklärte ich meiner Mutter, mein Berufsziel sei Architekt und ich würde Häuser bauen, in denen Autos, Fernseher und Waschmaschinen im Gemeinschaftseigentum aller stehen. Mit dem Ausruf meiner Mutter, ich sei ein Sozialist, war meine Selbstfindung abgeschlossen. In den 70er-Jahren war ich auf Demos gegen Atomkraftwerke und in den 80er-Jahren in der Friedensbewegung aktiv. Als Mitglied der „Neuen Linken“ habe ich die friedliche Revolution in der DDR begrüßt. In die Linke (damals PDS) bin ich 1998 eingetreten, die ich mittlerweile 20 Jahre im Neusser Stadtrat vertrete.
Welches politische Thema für Ihren Wahlkreis wollen Sie besonders in den Blick nehmen? Gegen „Remigration“ gingen 2024 Tausende auf die Straße, jetzt steht sie offen im AfD-Programm. Ein Erfolg der Rechten wäre schlimm: Hass und Gewalt auf der Straße, Ausgrenzung von Nachbarn, wirtschaftlicher Niedergang, da Kitas, Pflegeheime, aber auch zum Beispiel der kommunale Ordnungsdienst wegbrechen würden. Es ist eine Richtungswahl, aber nicht zwischen CDU/FDP, die der AfD zu Macht verhelfen, und SPD/Grünen, deren unsoziale Politik den Rechtsruck verursacht hat. Sondern zwischen den bürgerlichen Parteien und der Linken, die mit sozialer Gerechtigkeit die Rechten bekämpft.
Was macht Sie als Mensch aus?
Das kann wohl nur meine Frau beantworten. Niemand kennt selbst alle seine guten und schlechten Seiten. Natürlich habe ich ein Ideal von mir selbst. Nicht, wie ich bin, sondern wie ich sein möchte. Da spielen Eigenschaften wie gründlich, gerecht, abwägend, ausgleichend und einfühlsam eine Rolle. Ich würde mich freuen, wenn meine Familie, aber auch politische Freunde und Gegner sagen könnten, dass mir das ab und zu gelingt. Im Übrigen besteht linke Kritik, wie bereits Marx betont hat, nicht darin, den politischen Gegner moralisch zu verurteilen. Daran versuche ich mich zu orientieren.
Zusammengestellt von Rainer Leurs