Lank: Förderung schon für die Jüngsten

Kinderförderung: Bei Erzieherin Ute Thiele-Doege lernen Kinder kindgerecht. Inzwischen bietet sie drei Fördergruppen für Kleinkinder an.

<strong>Lank. Pisa-Studie und Delfin 4, der Sprachtest für Vierjährige im Kindergarten, haben aufgeschreckt: Deutschland hinkt im europaweiten Vergleich offensichtlich hinterher, wenn es um die frühkindliche Entwicklung, insbesondere beim Spracherwerb, geht. Ute Thiele-Doege hat das Unheil kommen sehen. Mehr als 15 Jahre hat die Erzieherin im Kindergarten gearbeitet, immer wieder auf Missstände hingewiesen und ihrer Ansicht Nachdruck verliehen, dass eine gezielte Förderung schon im zweiten Lebensjahr eines Kindes einsetzen kann. "Doch vor Pisa fehlten mir die Argumente. Keiner wollte erkennen, was doch offensichtlich war."

Kinder-Spielgruppe entwickelt sich zur Fördergemeinschaft

Ute Thiele-Doege zog für sich die Konsequenzen, machte sich selbstständig und bietet inzwischen drei Fördergruppen an: zwei im katholischen Pfarrzentrum an der Gonellastraße für Zwei- und Dreijährige sowie eine im eigenen Haus Am Rosskamp für Ältere im Kindergartenalter. "Die Anregung kam letztlich von den Eltern", blickt die dreifache Mutter auf die über 20-jährige Geschichte der selbstständigen Kindergruppen im Atrium. Was früher eine reine Spielgruppe war, ist seit mittlerweile fünf Jahren eine Fördergruppe mit pädagogischem Anspruch. Die Berechtigung dieser Aufwertung sieht die Erzieherin mit Montessori-Diplom in allen Bereichen des Lebens gegeben: "Das kann man doch schon jeden Tag im Sandkasten beobachten. Zweijährige interessieren sich für andere Kinder und treten in sozialen Kontakt. Zuvor waren sie im Schoß der Eltern aber immer wohl behütet, auf natürliche Weise ich-bezogen, und kennen daher die Regeln des Miteinanderumgehens gar nicht." Auch solche Kompetenzen versucht Thiele-Doege daher in ihren Fördergruppen zu vermitteln. Für ihre pädagogische Arbeit benutzt die Lankerin meist herkömmliche Spielsachen, die sie selbst abgewandelt, oft sogar vereinfacht hat. Wichtig: "Die Kinder sollen bei der Erledigung einer Aufgabe keinen Stress verspüren." Dennoch wehrt sich die Erzieherin ein wenig gegen die Umschreibung "spielerische Herangehensweise": "Auch vermeintlich einfache Sachen können Kleinkinder als Arbeit empfinden."

"Leider werden die Kinder im Kindergarten immer noch für die Schule dumm gehalten."

Ein Beispiel für die Zwei- bis Dreijährigen: Ein Kinderarzt hat Ute Thiele-Doege darauf hingewiesen, dass es Kindern zunehmend schwer falle, geometrische Formen zu erkennen und zu benennen. Die Pädagogin hat ihnen anhand eines normalen DIN A4-Blatts ("das an sich schon mal ein Rechteck ist") die Grundformen Dreieck, Quadrat, Rechteck oder Kreis erklärt . Als Abschluss wurden die Formen als Faltarbeit auf einem Pappbild zusammengefasst.

Abstrakte Begriffe durch sinnliche Erfahrung erfassen

"So lernen die Kinder zunächst die elementaren geometrischen Formen. Und durch die Möglichkeit des Zusammenklappens entstehen zusätzlich neue - aus einem Rechteck wird ein Quadrat, aus einem Kreis ein Halbkreis." Die Übung, die gleichzeitig den Sprachschatz erweitert, habe den Kindern so gut gefallen, dass sie in der heimischen Wohnung sogleich auf Entdeckungsreise gegangen seien, "und zum Beispiel die Fliesen im Bad sofort als Quadrate erkannt haben", berichtet Thiele-Doege.

Wichtig sei es vor allem, dem Kind zu erklären, warum das eine eben ein Rechteck, das andere ein Quadrat ist: "Wenn es mit den Fingern an dem Rechteck entlang streicht, prägt es sich dem Kind besser ein, dass es zwei kurze und zwei lange Seiten hat."

In eine ähnliche Richtung zielt das Spiel mit Geräuschen: "Das Bellen eines Hundes oder das Miauen einer Katze erkennt vielleicht noch jeder. Aber wie sieht es mit dem Wolf oder der Grille aus?" So lernt das Kind sowohl das Wort als auch die dazugehörenden Laute.