Meerbusch: Interview - „Die Gruppe hat sich verlagert“
Seit fast einem Jahr versucht der Düsseldorfer Verein AVP, junge Spätaussiedler in Meerbusch zu integrieren.
Meerbusch. Die brutale Gewalt unter Jugendlichen in London lässt auch hierzulande aufhorchen, obwohl Ursachen und Wirkungen nicht einfach übertragen werden können. Doch was wird bei uns getan, damit gewaltbereite Jugendliche nicht den sozialen Faden verlieren und Auseinandersetzungen blutig enden. Erfahrungen gibt es in der Stadt: Vor fast genau einem Jahr wurden die Vorgänge in und um den Osterather Rathauspark bekannt. Junge Russlanddeutsche hatten dort mehrere Monate für Unruhe gesorgt.
Von 40 Vorkommnissen berichtete im vergangenen Jahr die Polizei. Zumeist waren es Ruhestörungen, in zwei Fällen wurden Jugendliche aber auch brutal zusammengeschlagen und erheblich verletzt. Nachdem die Polizei Präsenz zeigte und die Verwaltung zusammen mit der Politik den Verein AVP "anheuerte" ist Ruhe. Wir sprachen mit AVP-Chef Sergej Aruin über die Entwicklung des Integrationsprojektes.
WZ: Herr Aruin, wie steht es um die Aktivitäten ihres Vereins in der Stadt Meerbusch?
Aruin: Gut. Wir können unsere Arbeit jetzt noch ausweiten. Die Kommunalpolitik hat kürzlich einer Erhöhung der ursprünglichen Förderung um 3500 Euro für dieses Jahr zugestimmt. Jetzt sind wir nicht nur im Atrium in Lank-Latum aktiv, sondern auch auf dem Abenteuerspielplatz in Büderich. Die Jugendlichen dort wollten nicht mehr so weit zu einem Treffpunkt fahren.
WZ: Wie viele junge Aussiedler betreuen Sie mit ihren Streetworkern in der Stadt und was machen Sie mit ihnen?
Aruin: Es handelt sich um etwa 30 bis 50 Jugendliche. Unsere Aktivitäten sind unterschiedlich und gehen von Freizeitangeboten über Sportaktivitäten bis hin zu Tagesausflügen. Im Herbst wollen wir beispielsweise mit der Gruppe nach Berlin fahren. Und ganz wichtig ist natürlich auch eine Berufsberatung. Möglicherweise werden wir damit nach den Sommerferien beginnen.
WZ: Nach einem Rechenschafsbericht im vergangenen Jahr im Jugendhilfeausschuss hatten Sie erklärt, keine Jugendlichen in Osterath angetroffen zu haben. Hat sich das geändert?
Aruin: Nein. Der harte Kern hat sich nicht blicken lassen.
WZ: Also alles in Butter!?
Aruin: Das glaube ich nicht. Die Gruppe, die für Probleme gesorgt hatte, hat sich lediglich verlagert. Einige davon treffen sich in Neuss.
WZ: Was muss getan werden?
Aruin: Die Gespräche müssen weiter auf der Straße gesucht werden. Und wir müssen dabei Kontinuität zeigen. Es ist ein sehr langer Prozess, das Vertrauen der Jugendlichen zu gewinnen. Wir arbeiten dabei hervorragend mit der Polizei und den Jugendämtern zusammen.