Rheinisches Landestheater: Mutig in die neue Spielzeit

Ulrike Schanko stellt ihren letzten Spielplan vor. Eröffnet wird die Spielzeit am 12. September mit Thomas Bernhards "Der Theatermacher", einem Werk über "den ganz normalen Theaterwahnsinn".

Neuss. Nein, Abschiedsstimmung mochte die Intendantin gestern nicht aufkommen lassen. Noch bis zum Sommer 2009 ist Ulrike Schanko Chefin des Rheinischen Landestheaters. Gestern stellte sie den letzten Spielplan ihrer Intendanz vor.

Sie tat das zunächst mit einem Dank an die Mitarbeiter: Die haben im vergangenen Jahr gegen die geplanten Zuschusskürzungen gekämpft - vor genau einem Jahr mit der 24-Stunden-Improvisation -, einen Wasserschaden ertragen und den langen Ausfall von Martin Bringmann irgendwie kompensiert; "mit Herzblut", wie Ulrike Schanko an das Motto der Proteste erinnerte.

Die Zahlen sind gut, es kamen mehr Besucher, es wurden mehr Produktionen verkauft - und so präsentierten Ulrike Schanko und ihr Team relativ entspannt das, was ab Herbst an der Oberstraße auf die Bühne kommen wird.

"Frisch, mutig, vorwärts", kommentierte die Intendantin fast trotzig die "Grundhaltung" der kommenden Spielzeit. Und das sei keine Neuentwicklung, sondern Fortsetzung ihrer Theaterarbeit.

Die beinhaltet wieder die Verpflichtung junger Regisseure, die Inszenierung von Werken, die noch gar nicht oder lange nicht in Neuss gezeigt wurden, aber auch neue Formen der Präsentation wie etwa bei der Uraufführung von "Crayfish", einem Auftragswerk, das als HipHop-Projekt inszeniert wird.

Eröffnet wird die Spielzeit am 12. September mit Thomas Bernhards "Der Theatermacher", einem Werk über "den ganz normalen Theaterwahnsinn". Klassiker kommen mit Lessings "Philotas" und mit Goethes Torquato Tasso auf den Spielplan - der wird inszeniert von Dominik Günther, der in dieser Spielzeit mit "Motortown" einen Überraschungserfolg gelandet hat.

Andre Sebastian inszeniert mit "Verbrennungen" des Libanesen Wajdi Mouawad ein neues Stück, das gerade von vielen Bühnen aufgegriffen wird: Thematisiert ist die Gewaltspirale des Kriegs, Leid und Schuld.

Es geht auch lustig: "Die Nervensäge" (Die Filzlaus) wird im Herbst von Martin Maier-Bode inszeniert, tragigkomisch wird es in "Fettes Schwein" (Neil LaBute, inszeniert von Sylvia Richter). Außerdem ist "Endstation Sehnsucht" von Tennessee Williams zu sehen, kleinen Gästen werden mit "Cinderellas Schuhe" eine deutschsprachige Erstaufführung und dem fröhlichen Märchen "Das rote Schaf" eine Uraufführung geboten.

Den Abschluss der Schanko-Intendanz bildet Philip Adriens "Sonntags am Meer", eine "wirkliche Wiederentdeckung", wie die Intendantin über das 40 Jahre alte Stück sagt. Hohe Anforderungen gebe es an das Ensemble und ebenso an das Publikum, das Stück selbst sei eine "hinreißende Komödie, völlig verrückt." Der letzte Satz des letzten Stücks der Schanko-Zeit: "Morgen gehn wir los."

“ Die Spielzeit wird am Sonntag um 11Uhr im Studio präsentiert. Der Eintritt ist frei, Karten müssen allerdings bestellt werden.