Büderich: „Wer Fachkräftemangel kritisiert, muss ausbilden“
NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann stattet Bucher in Büderich einen Besuch ab. Sein Votum: "Wir müssen die Instrumente zur Verbesserung der Ausbildungslage einfach noch bekannter machen."
Büderich. Zu Beginn des Besuchs von NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann in der Bucher-Zentrale in Büderich räumte Geschäftsführer Ionannis Afukatudis erst einmal mit einem Vorurteil auf: "Es heißt immer, es fehle in Deutschland an gut ausgebildeten IT-Kräften. Diese Erfahrung ist uns fremd. Wir hatten vielmehr die Qual der Wahl bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen."
Das war wohl auch mit ein entscheidender Grund dafür, dass der Last-Minute-Spezialist zu Beginn des Ausbildungsjahres 14 Azubis in Abstimmung mit der IHK und der Regionalagentur für Arbeit eingestellt hat - partnerschaftliche Ausbildung nennt man das.
"Wer den Fachkräftemangel kritisiert, der kann dieses Defizit nur beseitigen, wenn er ausbildet", griff Laumann den Ball auf und drückte seine Hoffnung auf, dass auch andere Firmen verstärkt jenen Weg nehmen würden, den das Büdericher Unternehmen eingeschlagen hat: "Viele Betriebe sagen, sie seien zu klein oder würden zu spezifisch arbeiten, um ausbilden zu können. Das muss aber kein Hindernisgrund sein, es gibt ja Kooperationsmodelle."
Ob Karsten Mroszczok, der den Arbeitsminister in die digitale Welt von Flugbuchung und Rabattgewährung einweihte, letztlich übernommen wird, das weiß der Auszubildene im zweiten Lehrjahr nicht, "schön wär’s aber natürlich schon". Immerhin: Von 47 jungen Menschen, die bei Bucher in den zurückliegenden zehn Jahren ihre dreijährige Ausbildung als Reiseverkehrskauffrau oder Groß- und Außenhandelskaufmann absolviert haben, setzten 60 Prozent ihre berufliche Laufbahn bei Bucher fort.
Ausbildung lohnt sich also für beide Seiten, kann sich ein Betrieb doch keinen besseren Mitarbeiter wünschen, als einen "Insider". Daher wundert sich Laumann auch über die Zurückhaltung der Arbeitgeber. "Wir müssen die Instrumente zur Verbesserung der Ausbildungslage einfach noch bekannter machen", nennt er selbst eine Möglichkeit , mehr Unternehmen zur Ausbildung zu animieren.