Hospizbewegung Meerbusch: Ein Netzwerk im Dienst des Lebens
16 Ehrenamtler betreuen Schwerstkranke und ihre Familien.
<strong>Meerbusch. Sie ist Kinderkrankenschwester, hat 20 Jahre in der Pflege gearbeitet und ist Betriebswirtin im Gesundheitswesen: Gudrun Fuß koordiniert seit dem 1. Januar als festangestellte Halbtagskraft die Arbeit der Hospizbewegung Meerbusch und kann schon einiges vorweisen. Erfolgreich, so lobt der Vorsitzende Friedemann Johst, habe Fuß in den zweieinhalb Monaten ein "Meerbuscher Netzwerk" mit Senioreneinrichtungen, Pflege- und sozialen Diensten aufgebaut. "Wir suchen die Schnittpunkte, wo wir uns ergänzen können", sagt Fuß. Und Johst schildert ein konkretes Beispiel: Ein schwer Pflegebedürftiger wird für die Familie überraschend am Wochenende aus dem Krankenhaus entlassen. Was ist für die Familie zu tun? "Entweder stehen sich drei potenzielle Helfer auf den Füßen oder es ist keiner da", schildert Johst das Dilemma.
Aus Konkurrenz entwickelte sich gute Zusammenarbeit
Es entspricht dem Selbstverständnis der Hospizbewegung Meerbusch, allen Betroffenen, den Schwerkranken und auch Angehörigen, in solch einer Situation zu helfen. "Ich verstehe meine Aufgabe als Informationsstelle und Beraterin", sagt Gudrun Fuß. Das umfasse sowohl die Vermittlung einer zuständigen anderen Instanz als auch die Hilfe der Hospizler selbst. Immer häufiger kommen die Rufe nach den Sterbebegleitern auch aus den Senioreneinrichtungen. Dass die Hospizler dort als Konkurrenz und "Außenstehende" betrachtet werden, ist vorbei. Vielmehr wird ihre Unterstützung geschätzt und zielgerichtet genutzt. Nicht nur bei der Begleitung Sterbender, sondern wie im privaten Einsatzumfeld auch für die Bewältigung der Trauer von Angehörigen oder Pflegepersonal.Die 16 Ehrenamtler der Hospizbewegung haben im vergangenen Jahr 17 Sterbende im häuslichen Bereich, 18 im Seniorenheim begleitet. "Die große Hemmschwelle ist unser Kardinalproblem, nämlich die Hospizler ins eigene Haus zu lassen", sagt die stellvertretende Vorsitzende Irmgard Salzmann. Das sei für viele Angehörige ein sehr schwieriger Schritt.
Dass die Hospizarbeit über den Tod hinaus andauert, unterstreicht die Arbeit im Trauercafé. An jedem ersten Montag im Monat findet es in der Heilig-Geist-Gemeinde in Büderich statt. Ein offenes, überkonfessionelles Angebot für Menschen, die Jutta Steinhauer betreut.
Die Hospizbewegung Meerbusch hat zurzeit 111 Mitglieder, 16 davon sind ehrenamtliche Begleiter.
Sterbende und ihre Angehörige werden vornehmlich in ihren eigenen vier Wänden bis zum Tod, die trauernden Zurückgebliebenen auch darüberhinaus, begleitet.
Die Helfer ersetzen keinen Pflegedienst. Sie widmen Patient und Umfeld Zeit, erzählen, hören zu, lesen vor.
Die Koordinatorin versteht sich nicht nur als Organisatorin der eigenen Einsatzkräfte, sondern als Informationsstelle für alle Hilfesuchenden.
Kontakt: Hegelstraße 9, 2 02132-73809