Im Derby-Zwiespalt Welche klaren Probleme Fortuna-Torwart Kastenmeier trotz Lob anspricht

Köln/Düsseldorf · Nach dem Remis gegen Köln lobt Torwart Florian Kastenmeier die Mentalität – doch die Offensive bleibt ein Problem.

Torwart Florian Kastenmeier ist für seine Mannschaft ein wichtiger Rückhalt.

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Die wichtigste Erkenntnis für Fortuna nach dem Derby beim 1. FC Köln war die Tatsache, dass sie derzeit schwer zu schlagen ist. Das hatte bereits Isak Johannesson, der Torschütze des wichtigen Ausgleichtreffers betont, und auch Torwart Florian Kastenmeier sprang nach dem sechsten ungeschlagenen Spiel in Folge auf diesen Zug auf. „Das unterschreibe ich“, sagte er trocken. Doch der 27-Jährige war nicht nur derselben Meinung bezüglich der aktuellen Bilanz seiner Mannschaft, er blickte auch über den Tellerrand der Zahlen und Statistiken hinaus.

Das Remis in der Domstadt sicherten sich die Düsseldorfer spät und verhinderten damit nicht nur eine Derby-Pleite, sondern auch einen Stimmungsdämpfer, der die vergangenen Erfolgserlebnisse überragt hätte. „Es wäre ein großer Nackenschlag gewesen, wenn wir hier verloren hätten. Wenn man den Spielverlauf sieht, wäre der Sieg für Köln hochverdient gewesen. Wir haben uns aber nicht hängen lassen – und das nehmen wir mit“, sagte Kastenmeier.

Der Torhüter nannte dazu auch den Grund, warum die Düsseldorfer überhaupt erst in der Schlussphase neue Energie freisetzten, offensiv endlich stattfanden und dadurch noch kurz vor dem Abpfiff zum Remis kamen. „Es ist unsere Stärke, dass wir über die Mentalität, den Glauben und die Durchschlagskraft am Ende zurückkommen. Das haben wir jetzt schon in ein paar Spielen gezeigt“, stellte er positiv heraus.

Doch der Familienvater war nicht nur von den Comeback-Qualitäten seiner Mannschaft begeistert, er sparte auch nicht mit Lob für seine Vorderleute. „Defensiv standen wir wie schon gegen Hannover gut. In den vergangenen Wochen haben wir generell wenig zugelassen. Natürlich hatten die Kölner ihre Möglichkeiten. Im Hinspiel haben sie aber mehr dominiert und hatten auch da viele Chancen. Das wollten wir diesmal nicht unbedingt haben“, sagte Kastenmeier.

Wachrüttler in Form eines Rückstandes benötigt

Er bewertete die Partie vom vergangenen Sonntag allerdings nur nicht einseitig, fokussierte sich damit nicht ausschließlich auf die guten Dinge. Fortunas Nummer eins sprach auch die klaren Probleme an und verschloss die Augen nicht vor dem, wo Fortuna im Kollektiv noch dringend Handlungsbedarf hat. „Wir haben mit dem Ball Luft nach oben, da geht es in der kurzen Trainingswoche jetzt vor allem darum, dass wir am Freitagabend gegen Fürth in besseres Spiel machen und nicht immer auf Wechsel, Unterbrechungen oder Halbzeitpausen angewiesen sind.“

Denn oft hatte es in dieser Saison bereits den Anschein, dass Fortuna einen Wachrüttler in Form eines Rückstands benötigt oder mit Beginn der zweiten Hälfte besser wird. Ausbaufähiger dagegen ist ein Mannschaftsbereich, auf den Kastenmeier als Torwart nur einen geringen Einfluss hat: der Angriff. „Es wäre cool, hier zu stehen und zu sagen: Wir haben es defensiv und offensiv gut gemacht. Nicht nur die Defensive zu loben, sondern auch die Offensive. Das fehlt uns im Moment, da müssen wir weitermachen“, sagte der Keeper.

Zugleich zog er auch einen Vergleich zur vergangenen Spielzeit, in der Fortuna insgesamt beide Bereiche gut miteinander verknüpfte und dadurch sehr erfolgreich und lange ungeschlagen war. „Letztes Jahr standen wir defensiv auch gut in der Rückrunde und hatten unsere Umschaltmomente und Ballbesitzphasen, die fehlen uns diesmal einfach. Die Qualität ist individuell da, als Mannschaft bringen wir es aber nicht auf den Platz“, betonte Kastenmeier. Für den ganz großen Wurf in der Zweiten Liga muss Fortuna also zurück zur Basis und dorthin, was sie in der Vorsaison ausgezeichnet hat – die richtige Balance aus gefestigter Abwehr und Offensivgefahr.

Nur: In dieser Spielzeit muss dieser Mix ohne die im vergangenen Sommer abgewanderten Yannik Engelhardt, Ao Tanaka und Christos Tzolis erfolgen. Doch dass Fortuna phasenweise auch ohne das Trio erfolgreich sein kann, hat sie in dieser Serie schon mehrfach bewiesen – eine Kontinuität solcher Leistungen wird nun mit zunehmender Dauer der Saison immer wichtiger, will Rot-Weiß weiterhin etwas mit dem Aufstiegsrennen zu tun haben.

(pn/td td)