Bombe legt Osterath lahm
Unter der Regie des Ordnungsamtes wurde am Donnerstag eine Fünf-Zentner-Bombe entschärft.
<strong>Osterath. Verkehrte Welt in Osterath: Während Katze Lisa viel lieber durch die Gärten streunen würde, muss sie in dem Haus bleiben, das Anita Coppee nur widerwillig verlässt. Gegen 11 Uhr sitzt die Osteratherin auf der langen Holzbank in der Feuerwache neben ihrer Nachbarin Henny Hormans. Die beiden Frauen sind die einzigen, die aus dem direkten Gefahrenbereich an die Insterburger Straße gekommen sind. DRK-Helfer bieten dort kalte Getränke an, im Hof stehen Feuerwehrmänner plaudernd in Gruppen zusammen. Von Aufregung keine Spur.
Bombenmeldung weckte Kriegserinnerungen
"Nee, ich hab’ keine Bedenken, dass irgendetwas schief geht. Die Jungs machen das schon", meint Henny Hormans gelassen. Auch am Vorabend, als Mitarbeiter des Ordnungsamtes bei ihr an der Tür klingelten, sei sie unbesorgt gewesen. "Aber ich habe sofort wieder an den Krieg gedacht", sagt die 71-Jährige, die die Bombardierung in Krefeld erlebt und nicht vergessen hat. Mit ihrem kleinen Bruder an der Hand habe sie bei Alarm den Weg in den Keller gesucht. "Das hatte ich direkt wieder vor Augen."
Während die Männer in Bereitschaft, der DRK Sanitätsdienst aus Meerbusch, die DRK-Versorger aus Dormagen und die Evakuierten im Dampf der Gulaschkanone die Zeit totschlagen, sitzt Sprengmeister Peter van Eck (54) vor der Bombe, die ein Mitarbeiter von Bauleiter Henri Kroef tags zuvor beim Abbruch auf dem Ostara-Gelände freigebaggert hatte: 250 Kilo schwer und mit zwei Aufschlagzündern - je einer vorne und hinten. Der Baggerführer legte die gefährliche Fracht etwa zehn Meter vom Fundort entfernt wieder ab.
Für Peter van Eck ist der Einsatz Routine, aber auch nach 15 Berufsjahren und über hundert Einsätzen noch eine Herausforderung. Zumal ihm in Osterath mit Frank Höpp ein Kollege assistiert, der gerade erst die Ausbildung absolviert hat. Der Zweifachzünder machte es den beiden nicht einfach. "Er saß so fest, dass wir einen Bagger einsetzen mussten", berichtet van Eck. Dessen Schaufel hat dann die Bombe fixiert, sodass van Eck und Höpp mit der großen Zange zupacken konnten, ohne dass ihnen das Objekt entglitt.
Um 12.52 Uhr geben die beiden Entwarnung: Zünder und Bombe sind getrennt. Die Hinterlassenschaft der Amerikaner wird nun in ein sicheres Lager bei Hünxe gebracht und entsorgt.
Arnd Römmler, als stellvertretender Ordnungsamtsleiter gestern Einsatzleiter und Koordinator, ist die Erleichterung am Mittag anzusehen. Immerhin hat es einen Bombenfund dieser Größenordnung, wie Dezernentin Angelika Mielke-Westerlage sich erinnert, zuletzt vor fünf Jahren gegeben. "Aber das war bei der Verbreiterung der A 57 und es waren keine Menschen betroffen", betont Meerbuschs Feuerwehrchef Herbert Derks.
Auch Meerbuschs Polizeichef Reinhard Lenzen ist zufrieden: Keine besonderen Vorkommnisse an den Absperrungen, und mit Hilfe des Hubschraubers Hummel 4 konnten auch die letzten Unbeugsamen aufgespürt und in ihre Häuser verbannt beziehungsweise aus dem Sperrgebiet gelotst werden.
Mittwoch 14.45 Uhr Bombenfund bei Abrissarbeiten auf dem Gelände der Firma Ostara in Osterath.
Meldung Bauleiter Henri Kroef meldet den Fund bei der Polizei. Kampfmittelräumdienst der Bezirksregierung und Ordnungsamt werden verständigt.
Bewohner in der Umgebung werden vom Ordnungsamt der Stadt über Sicherheitsmaßnahmen und Evakuierung am Abend informiert.
Donnerstag 9 Uhr Lagebesprechung in der Feuerwache Osterath mit Polizei, Notfallmanager der Deutschen Bahn, Vertreterin der Rheinbahn, Polizei und Ordnungsamt.
10.45 Uhr Die Bewohner im Gefahrenbereich A (250 Meter Umkreis) müssen ihre Häuser verlassen, die im Gefahrenbereich B (500 Meter ) dürfen ihre Wohnungen nicht verlassen.
76 Menschen sind von der Evakuierung betroffen, 15 davon älter als 70 Jahre.
11.58 Uhr Der letzte Zug passiert den Bahnhof Osterath.
12.12 Uhr Arnd Römmler, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes, gibt das "Go".
12.52 Uhr Sprengmeister Peter van Eck (Foto) hat die Bombe entschärft und gibt Entwarnung.
13 Uhr Busse und Bahnen fahren wieder, die Evakuierten können in ihre Häuser zurück.
Sechs Mitarbeiter vom Ordnungsamt, 25 Mitarbeiter der Polizei, sieben Männer der Feuerwache und zehn Leute vom DRK Dormagen sind im Einsatz. Mitglieder des DRK Meerbusch stehen als Sanitätsdienst in Bereitschaft.