Freizeit: Von Pfadis, Rovern und Wölflingen

Hunderte Jugendliche im Rhein-Kreis Neuss engagieren sich bei den Pfadfindern.

Rhein-Kreis Neuss. Sie tragen eine sandfarbene Kluft mit einem Tuch um den Hals. Tagsüber wird durch die Natur gewandert, am Abend das Zelt aufgeschlagen und dann ist Lagerfeuer-Romantik und Gitarrenspiel angesagt. Für Jugendliche, deren scheinbar einziger Lebensinhalt die Playstation ist, wäre das eine teuflische Bestrafung.

Aber was wie eine Szene aus der heilen Welt eines Heimatfilms wirkt, ist für viele junge Menschen auf der ganzen Welt die ultimative Freizeitbeschäftigung: die Mitgliedschaft bei den Pfadfindern. Fast überall gibt es Stämme - so auch im Rhein-Kreis Neuss.

In Grevenbroich-Gustorf beispielsweise treffen sich die "Deutschritter" wöchentlich zu Gruppenstunden. Bei ihnen wird das Pfadfinder-Motto "Jeden Tag eine gute Tat" noch groß geschrieben. Die Mitglieder beteiligen sich an lokalen Aktionen zur Müllbeseitigung und setzen Geräte auf Spielplätzen in Stand.

Das Besondere an der Arbeit sei, dass "die Kinder sich so ihrer sozialen Verantwortung bewusst werden und dabei trotzdem Spaß haben", erklärt der Deutschritter-Vorsitzende Richard Backhausen. Aus diesem Grund wird auch der Höhepunkt des Jahres, das Sommerlager, aktiv gestaltet. So haben die "Deutschritter" schon bei der Waldbrandbekämpfung in Südfrankreich geholfen.

Sehr viel ernster wird der christliche Aspekt im Stamm "Alfred Delp" in Neuss genommen. Pastoralreferent Frank Ziellinski ist dort als geistlicher Begleiter tätig und erklärt, dass die Jugendlichen in der Seelsorge St. Paulus sehr engagiert sind: "Wir sind eine lebendige Gruppe der Gemeinde."

Ihn begeistert die Arbeit aber auch, weil er beobachten kann, wie die Kinder eine Pfadi-Karriere durchleben. Sie steigen als Fünfjährige ein, fahren als Jugendliche mit ins Sommerlager und werden später selbst Gruppenleiter. Ziellinski bringt die Sache auf den Punkt: "Einmal Pfadi, immer Pfadi."