Marathon-Mann: Im Alter an Klasse dazugewonnen
Jochen Adomeit hat viele Altersklassen-Titel bei Meisterschaften gewonnen.
Strümp. Seinen ersten Marathon ist Jochen Adomeit mit 40 Jahren gelaufen. Dieses Erlebnis muss prägend für den inzwischen 65-Jährigen gewesen sein, denn im Vorjahr hat der mittlerweile pensionierte Polizist in Düsseldorf bereits zum 52. Mal die legendären 42,195 Kilometer zurückgelegt.
Adomeit ist fünfmaliger Altersklassen-Europameister, hat einen WM-Titel gegen Konkurrenten seines Alters geholt und unzählige Male bei Deutschen, Nordrhein- oder auch Kreismeisterschaften reüssiert. "Alle Titel habe ich nicht gezählt", erzählt der spätberufene Athlet. Medaillen und Ruhm sind ihm unwichtig, es geht allein ums Laufen.
Als das Virus ihn infizierte, lag die Teilnehmerzahl, etwa in Berlin, noch bei 3000 und nicht wie heute bei 30 000. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere (Bestzeit: 2,29 Stunden) ist Adomeit unter anderem auch in New York gelaufen. "Da gehörte ich zu einer Art Semi-Elite, die bevorzugt behandelt wurde. Wir durften uns in einer Turnhalle mit Schwestern und Ärzten aufwärmen, bekamen zu essen und zu trinken und wurden fünf Minuten vor Beginn von Ordnern zum Start geführt."
Davon kann der Großteil der jährlich rund 35 000 Teilnehmer nur träumen. "Die müssen drei, vier Stunden im Pulk warten, bis sie überhaupt mal loslaufen können", gruselt es den Strümper ein wenig.
Die Teilnahme an Europa- oder Weltmeisterschaften der Senioren hat der ehemalige Leiter des Ermittlungsdienstes bei der Polizei in Düsseldorf trotz der vielen Erfolge nur bedingt ernst genommen. "Ich habe das immer mit einem Urlaub verknüpft."
Das habe aber wohl nicht jeder so gesehen, denn Adomeit weiß auch von überführten Doping-Sündern. Ein besonders kurioser Fall: "Ein 70-Jähriger wurde positiv getestet und für ein Jahr gesperrt. Wie sich später herausstellte, hatte der Mann nur Potenzmittel geschluckt."
Lange Zeit war Adomeit Mitglied der TG 81 in Düsseldorf. "Doch die aktiven Marathonläufer wurden mit den Jahren immer weniger, auf einmal waren wir nur noch zu zweit." Da gab er 2002 den "Abwerbungsversuchen" des Osterather TV von Peter Müller-Mannhardt ("Komm’ halt zu uns") nach. Und mittlerweile blüht er in der ihm anvertrauten Übungsleitertätigkeit regelrecht auf. "Wenn ich sehe, was für Fortschritte alle machen, bin ich richtig stolz."
Auch mit 65 Jahren absolviert Adomeit noch jedes Jahr einen Marathon: "In Düsseldorf bin ich Zug- und Bremsläufer. Das heißt, wer beispielsweise nach 3,30 Stunden ins Ziel kommen möchte, kann sich an meine Fersen heften." Ein übertriebener Asket war Adomeit, der sich außer für das Laufen auch für alte Motorräder und Roller interessiert, übrigens nie: "Ich bin kein Körnerfresser und habe auch gerne mein Bier getrunken."
Den Biss von früher verspürt der 65-Jährige allerdings nicht mehr. Gerade Neulingen vermittelt der Pensionär aber immer noch gerne, was es bei einem Marathon zu beachten gilt. "Letztlich sind vor allem zwei Dinge wichtig: gut vorbereitet und trainiert zu sein und das Tempo einhalten, das man sich vorgenommen hat - wer sich überschätzt und zu schnell wird, den sammelt am Ende meist nur der Besenwagen ein."